|
SPAREN / Finanz- und Konsumcheck / Wie Bedürfnisse geweckt werden
Wie Bedürfnisse geweckt werden
Wir haben nicht das Bedürfnis nach einem Produkt, das wir nicht kennen oder das es noch gar nicht gibt. Vielleicht war es in der Steinzeit ein Bedürfnis ein Gerät zu brauchen mit dem man auf Knopfdruck Feuer erzeugen kann. Wir haben jetzt jedoch alles was wir zum Leben brauchen und noch viel mehr. Die meisten von uns können sich jeden Tag überlegen was sie abends kochen wollen, ob sie Samstagabend in den Fitness-Center oder doch lieber ins Kino gehen wollen oder ob es in der Mittagspause Thai oder Italienisch sein soll.
Eine Schein- und Traumwelt wird von der Werbung und den dahinterstehenden Großkonzernen und Banken aufgebaut. Bedürfnisse werden künstlich beim Menschen erzeugt:
Im Fernsehen laufen regelmässig auf verschiedenen Sendern Doku-Soaps, in denen Familien portraitiert werden die durch Schicksalsschläge arm wurden und deren verfallene Häuser durch die gütige Mithilfe der TV-Sender zu wahren Schmuckstücken mutieren. Als primäre Botschaft der Fernsehsendungen werden Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft vermittelt. Zufällig werden in der Pause Werbespots ausgestrahlt, in denen u.a. Immobilienfinanzierungen und Kredite angeboten werden. Das Ziel ist klar: der Fernsehzuschauer soll Geschmack an einem Eigenheim bekommen und der passende Kredit wird gleich frei Haus ins Wohnzimmer mitgeliefert. Interessant wäre zu wissen, wer die Handwerker und die neuen Möbel wirklich bezahlt.
Das schlimme dabei ist nicht „dass“ wir manipuliert werden, sondern die Tatsache „dass wir wissen“ dass wir manipuliert werden und uns nicht dagegen wehren. Wir spielen das Spiel einfach mit bzw. viele von uns meinen, aus Prestigegründen mitspielen zu müssen. Wenn schon der Nachbar ein Navigationsgerät hat braucht man das selbst natürlich auch, obwohl man jeden Sommerurlaub in Mallorca verbringt und das Navi in dem Fall ziemlich nutzlos ist. Man will ja im modernen Neubau-Wohnviertel nicht von gestern sein und misst sich gern an den anderen.
Noch schlimmer ist es für die Kinder. Nur wer die angesagtesten Markenschuhe trägt, wo das Paar 100 Euro kostet, ist in und wird in der Gemeinschaft akzeptiert. Gruppenzwang wird immer extremer und ausgeschlossen werden diejenigen, deren Eltern nicht das nötige Kleingeld dafür haben. In Aufsätzen und Erörterungen sollen die Kinder nach den langen Sommerferien beschreiben, was sie erlebt haben. Susi war auf Kreta, Torben auf den Malediven und Max in den USA. Die drei haben sicherlich viel zu erzählen und zu schreiben. Aber Kinder, die „nur“ das örtliche Dorf-Ferienprogramm mitmachen durften, wo als Highlight gezeltet wurde kommen sich nicht selten ziemlich doof vor. Dabei kann man dabei so viel erleben; es ist interessant und ein schönes Erlebnis mit anderen gleichaltrigen Kindern zu zelten und die Natur zu erleben, aber leider zählt in unserer Gesellschaft nur: höher, schneller, weiter, teurer.
Wie gerne werden in den Büros Urlaubsbilder vorgezeigt, wie toll es doch war und was man alles gesehen hat. Es ist zu vermuten, dass zu 90% die Bilder nur wegen Statuszwecken herumgezeigt werden. Man will halt zeigen was man hat bzw. wo man war. Auch so entstehen Bedürfnisse bei demjenigen, der sich einen teuren Urlaub nicht leisten kann, auch wenn nur durch den Arbeitskollegen.
Bedürfnisse, die geweckt werden, aber mangels finanzieller Masse nicht befriedigt werden können machen aus zufriedenen Menschen unzufriedene Menschen. Produkte, von dessen Existenz wir nichts wissen, wecken in uns auch kein Bedürfnis! Der zufriedene Mensch würde somit zufrieden bleiben.
Wenn wir nur das kaufen würden was wir zum Leben brauchen, hätten wir keine Geldprobleme.
Seien Sie mal ehrlich: Brauchen sie unbedingt ein Navigationsgerät? Sind Sie nicht in der Lage per Landkarte und/oder Routenplaner, den man vorher im Internet abfragen kann, ans Ziel zu kommen? Oder ist der zivilisierte und organisierte Mensch nicht in der Lage sein Gehirn einzuschalten und seinen Menschenverstand zu gebrauchen?
Wird das Leben durch so eine Anschaffung wirklich besser und lohnt sich der Fortschritt sowie der totale Wirtschaftswachstumswahn? Im ersten Moment schon, aber sobald die Autobatterie mal ausgetauscht werden muss und alle Einstellungen des Navi´s weg sind ist die Freude über die Anschaffung verflogen. Mühsam wird die Bedienungsanleitung aus einem Stapel im Keller herausgekramt und das nervenaufreibende Spiel mit den Tasten, Einstellungen, Erklärungen und Updates kann beginnen. Nach 30 Minuten Tipperei fragt man sich ob es wirklich lohnte, sich das anzutun.
Als klassisches Beispiel des technischen Fortschritts mit Schwächen dient der Computer, der wahrscheinlich bei jedem Internetnutzer schon einmal für Ärger sorgte. Da fragt man sich, warum eine Anschaffung für mehrere hundert Euro nicht einfach funktionieren kann anstatt dass regelmäßig Anwendungen abstürzen, E-Mails wegen zu großen Dateien nicht versendet werden können, ständig Updates notwendig sind oder warum einen die Installation einer Telefonanlage einer bekannten deutschen Telekomm.firma und daraus resultierende stundenlange Hotline-Anrufe einen in den kompletten Wahnsinn treibt.
Fortschritt wird (zu) oft zu einer Last und Konsum zu einer Belastung.
Tatsächlich nimmt auch unser Feinstoffkörper durchdachte Werbung auf und lässt unserem Gehirn das neue Produkt als Bedürfnis erscheinen. Der Feinstoffkörper ist das Organ, mit dem man Atmosphärisches, Gefühle und Gedanken wahrnehmen kann. Er wird manipuliert und wir merken es nicht oder wollen es nicht merken. Es wird etwas vorgegaukelt was eigentlich gar nicht ist. Wir sind nicht nur Sklave der Werbung, sondern vor allem unseres eigenen Körpers.
Sie können ihre Sinne jedoch schärfen, indem Sie achtsam und aufmerksam mit den Informationen umgehen und Ihre Gefühle und Emotionen, die in der Werbung und im Fernsehen ausgelöst werden beobachten. Erst Tränen wegen der Doku-Soap, Sekunden später die Immobilienfinanzierung in der Werbung. Merken Sie was?
Wenn Sie Kinder haben, achten Sie darauf wie die Kinder auf Werbung reagieren. Sie können nichts dafür, dass sie sich von der Werbung so vorführen lassen, aber reden sie mit ihnen darüber. Sie müssen wissen, dass die Firmen, die mit ihren Produkten werben, nur eines wollen:
IHR Geld!
<< zurück zum Finanz- & Konsumcheck <<
|