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ARTIKEL / Wirtschaft
26.10.2009: Warum alles immer teurer wird und warum die Schere „Arm-Reich“ immer weiter auseinander klafft
Jedes Jahr verteuern sich die Ausgaben in Deutschland um 8-10%, aber in den letzten 30 Jahren stieg die Anzahl der Milliardäre von 10 auf 800! Der Euro hat seit seiner Einführung 2002 bereits 40 % seiner Kaufkraft verloren. Weltweit verfügen 10% der Menschheit über 90% der vorhandenen Gelder. Lesen Sie die Hintergründe warum die Schere Arm-Reich immer weiter auseinander klafft, wie die Inflationsrate geschönt wird, wie Geld im Laufe der Geschichte entstanden ist und wie manipulativ es wurde:
Zitat: “Eigentlich ist es gut, dass die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution vor morgen früh”. (Henry Ford)
Jeder Mensch, der seinen gesunden Menschenverstand gebraucht wird feststellen, dass sich die Ausgaben jedes Jahr verteuern. Wenn man vor ein paar Jahren vom monatlichen Gehalt noch etwas Rücklagen für schlechtere Zeiten bilden oder sich eine Rentenversicherung leisten konnte, so kommt man heute möglicherweise gerade noch so über die Runden. Weiterlesen >>
Gefühlte Inflationsrate:
Jährlich verteuern sich die Ausgaben um 8-10%, während die offizielle Inflationsrate mit 2-3% angegeben wird. Diese unrealistische Ermittlung der Inflation wird ermöglicht vom manipulativen und künstlich zusammengestellten Warenkorb, der mit den alltäglichen Ausgaben eines Max Mustermann wenig zu tun hat. Somit fehlen im offiziellen Index entscheidende Faktoren wie Steuern, Sozialabgaben und Zinsen, enthält aber dafür 750 Positionen mit Kuriositäten wie einer „Hunde-Trimm-Maschine“ oder einem Barometer sowie Waren, die wegen des technischen Fortschritts immer billiger werden und somit die Rate deutlich drücken (Computer, MP3-Player).
Um die wahre (auch genannt: „gefühlte“) Inflationsrate zu ermitteln gibt es eine Faustformel: „Geldmengenwachstum minus Wirtschaftswachstum“
Beispiel 2007:
Geldmengenwachstum M3 lt. Europäische Zentralbank: 12,3%
Minus Wirtschaftswachstum EU: 2,2%
= wahre Inflation: 9,6% (für die Euro-Zone 2007)
Aktuelles Beispiel für 2009, in dem Fall handelt es sich wie allgemein bekannt ist um Wirtschaftsrückgang statt um Wirtschaftswachstum:
Geldmengenwachstum M3 lt. Europäische Zentralbank: 9% (August 2009)
Plus Wirtschaftsrückgang EU: 4% (Prognose der EU für 2009)
= wahre Inflation: 13% (für die Euro-Zone 2009)
(Definition der EU für „Geldmenge M3“: Summe aus umlaufendem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, Einlagen und Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren, Repogeschäfte, Geldmarktpapiere und Spareinlagen mit bis zu dreimonatiger Kündigungsfrist)
Der Euro hat seit seiner Einführung 2002 bereits 40 % seiner Kaufkraft verloren, haben Sie in den letzten 7 Jahren 40% mehr Gehalt bekommen?
Warum verteuern sich aber eigentlich die Ausgaben jedes Jahr während noch dazu die Löhne und Gehälter sinken? Die Fehler in unserem Geldsystem:
Das private Gesamtvermögen in Deutschland (ca. 82 Millionen Einwohner) beläuft sich auf etwa 6,6 Billionen Euro! 10% der deutschen Bevölkerung besitzen 61% des Gesamtvermögens. Ein Prozent Superreiche besitzen sogar 23 Prozent des deutschen Vermögens! Weltweit verfügen 10% der Menschheit über 90% der vorhandenen Gelder. Dieses Ungleichgewicht verstärkt sich immer mehr und wird von der Tatsache verdeutlicht, dass in den letzten 30 Jahren die Anzahl der Milliardäre von 10 auf 800 gestiegen ist! Reiche werden immer reicher und Arme immer ärmer.
Der Handel begann in grauer Vorzeit mit einfachen Tauschgeschäften. Mit einem Sack Getreide wurden z.B. Kartoffeln bezahlt. Die Anzahl der Kartoffeln, die man für einen Sack Getreide bekam war immer die selbe, sofern die Qualität äquivalent war. Diese Art des Tauschhandels, auch „Naturalgeschäft" genannt, war sehr umständlich, da nicht jeder der überschüssige Kartoffeln hatte dafür Getreide benötigte. Nahrungsmittel konnte man zudem nicht jahrelang aufheben da sie verdarben. Also kamen die Menschen auf die Idee Tauschgegenstände zu bestimmen mit dem jede Art von Waren bezahlt werden konnten. Dieses "Primitivgeld", dass in den verschiedenen Regionen der Erde unterschiedlich war bestand beispielsweise aus Steinen, Teeziegeln, Schmuck oder Salzstäben. Später, vermutlich ca. 4000 Jahre vor Christus, wurde mit der Goldgewinnung begonnen und allmählich wurde Gold zum Zahlungsmittel. Für eine Goldmünze bekam man eine festgesetzte Menge eines bestimmten Gegenstands, z.B. einem Sack Getreide. Entscheidend für den Wert der jeweiligen Goldmünze war ausschließlich das Gewicht. Um auch diese Art des Tausches zu erleichtern schrieb man nur noch Quittungen. Sie waren leicht und handlich und konnten in die Hosentasche gesteckt werden. Für jede Quittung war auch die entsprechende Anzahl an Goldmünzen vorhanden und konnte jederzeit verlangt werden. Die Quittungen, nennen wir sie Geldscheine, waren also mit dem entsprechenden Wert des Goldes, dass physisch vorhanden war hinterlegt. Für jeden Geldschein, mit dem eine Ware oder eine Dienstleistung bezahlt wurde war ein Gegenwert in Form von Goldmünzen vorhanden.
Im Alten Rom fing man zur Finanzierung der Kriege schon an, die Goldmünzen zu legieren, d.h. der Goldanteil in den Münzen schmolz immer mehr, aber der offizielle Wert blieb der selbe. Irgendwann waren die Münzen nur noch aus billigem Kupfer und konnten endlos produziert werden.
Wenn jemand einen Sack Getreide gegen Kartoffeln eintauscht, dann weiss jeder der beiden Handelsbeteiligten was er gibt/bekommt. Wenn das Zahlungsmittel ein Papierzettel oder eine wertlose Kupfermünze ist, dann basiert dieser Tauschhandel auf reinem Vertrauen. Vertrauen, dass der Papierzettel oder die Kupfermünze wieder gegen eine Ware oder Dienstleistung eingetauscht werden kann.
Die Weltleitwährung, der US-Dollar, war bis 1971 noch teilweise durch Gold gedeckt. Die Golddeckung wurde vom damaligen US-Präsidenten Richard Nixon aufgehoben, da Geld u.a. für die Finanzierung des Vietnamkrieges aufgebracht werden musste. Dem Drucken von Geldscheinen war somit Tür und Tor geöffnet. Seit Anfang der Siebziger Jahre steigt die Staatsverschuldung der BRD und aller Industrienationen fortlaufend in gigantischem Ausmaß. Seit der Aufhebung der Golddeckung nimmt auch das Geldvermögen stetig zu während auch die Schulden parallel steigen. Die Immobilienkrise, Finanzkrise und Wirtschaftskrise wächst zu einer Systemkrise heran.
Durch das hemmungslose Drucken von Geldscheinen und dem Zinseszinseffekts wird der echte Wert der Waren und Dienstleistungen ignoriert und die Summe der dafür aufzuwendenden Geldscheine immer größer.
Geld entsteht durch Kreditvergabe und wird aus dem Nichts erschaffen. Banken müssen jeden Euro, der als Kredit vergeben wird, mit einer Deckung von nur 2% (Mindestreservesatz) hinterlegen. Jeder Ein-Euroschein kann 50 Mal verliehen werden. Es handelt sich um reine Buchungsvorgänge im Bankcomputer. Sobald ein Kredit vergeben wird entstehen jedoch auch automatisch Schulden. Die Vermögen auf der einen Seite basieren auf den Schulden der anderen Seite, oder andersherum: die Schuldner finanzieren die Vermögenden.
Die Vermögen werden von unten nach oben umgeschichtet.
Solange man die Geldscheine immer weitergeben kann funktioniert dieses System zwar, aber wenn die Menschen das Vertrauen in das Geld verlieren, dann platzt es. Es ist nichts anderes als eine Blase. Zyklisch gesehen funktioniert dieses System ca. 60 Jahre lang bis es an seine Grenzen stößt und zerbricht. Es gibt keine Währung auf der Welt, die ewig gültig ist.
Zinsen sind eine Art Risikoausgleich, falls ein Kreditnehmer seine Schulden nicht mehr zurückzahlen kann. Ohne Zinsen würde niemand sein Geld verleihen.Absurderweise haften nicht die Banken für etwaige Kreditausfälle, sondern der Staat und somit der Steuerzahler. Mit anderen Worten: die Banken verleihen selbst erzeugtes Geld und kassieren die Zinsen dafür, aber der Staat haftet wenn Schuldner im großen Stil ihren Forderungen nicht nachkommen können. So geschehen beim Platzen der Immobilienblase und den darauf folgenden Bankenrettungsmaßnahmen u.a. für die Hypo Real Estate.
Wenn sich jemand mit einem Restaurant selbständig machen möchte benötigt er dafür Kapital um Personal, Miete und die Restaurant- und Kücheneinrichtung finanzieren zu können. Die wenigsten Unternehmer verfügen selbst über das notwendige komplette Eigenkapital. Das fehlende Geld leiht sich der angehende Wirt bei einer Bank und muss dafür Kreditzinsen bezahlen. Die Zinsen, die er monatlich bezahlen muss, fliesen in die Preisgestaltung der Getränke und Speisen mit ein, ansonsten könnten die Zinsen wahrscheinlich nicht bezahlt werden.
Dieser verdeckte und vom Gast unbemerkte Zinsanteil summiert sich mit der Zeit immer weiter auf, denn nicht nur der Wirt zahlt schon versteckte Zinsen an seine Lieferanten und den Vermieter, sondern auch die Lieferanten addieren ihrerseits auf ihre Waren schon die verdeckten Zinsen. 30 - 50 % aller Waren- und Dienstleistungen bestehen nur aus Zinsen!
Schulden und Vermögen wachsen exponentiell wegen des Zinseszinseffekts. Es ist mathematisch gesehen gar nicht möglich dass alle Schuldner ihre Schulden zurückbezahlen, während die Vermögenden ihre bestehenden Vermögen behalten würden. Man müsste praktisch den Vermögenden ihr Geld abnehmen und es den Schuldnern geben um das Geld wieder gerecht zu verteilen. Das ist nicht möglich und soll die Vermögenden auch nicht vorverurteilen. Arme Leute sind deswegen auch nicht die "besseren" Menschen und es gibt viele Reiche, die sich sozial stark engagieren.
Wege aus der Krise:
Sicherlich gibt es momentan nicht die eine Lösung schlechthin, die eine bessere Welt schafft, aber sobald die Thematik im Bewusstsein der Menschen verankert ist werden sich Ansätze zur Problembewältigung auftun. Was auch immer Politiker versprechen und umzusetzen versuchen, sei es die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, Steuerentlastungen oder Konjunkturpakete etc. - es werden nur die Symptome bekämpft, nicht aber die Ursachen. Es muss ein nationales und internationales Umdenken her, das Geldsystem in seiner jetzigen Form ist zum Scheitern verurteilt. Die Ungleichgewichte auf der Welt und Abhängigkeiten müssen aufhören, Geld muss wieder durch Arbeit und Dienstleistungen, Produktionskapazitäten und Waren gedeckt sein, die Dritte Welt muss von Schulden befreit und Devisenspekulationen müssen verhindert werden. Regionale Währungen können dazu beitragen ein soziales Gleichgewicht herzustellen und das Miteinander zu fördern.
Komplementärwährungssysteme (ergänzende Währungen) sind zins- und inflationsfrei und fördern regionale, nachhaltige Wirtschaftssysteme.
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